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Wozu Paartherapie?

Aktualisiert: 21. Dez. 2023


Paartherapie soll eine kaputte Beziehung wieder ins Lot bringen. - Etwas in dieser Richtung würden wohl viele von uns antworten, wenn gefragt werden, wozu Paartherapie dient. Tatsächlich jedoch sollte Paartherapie nicht reparieren. Sie sollte vielmehr den Raum geben, eine Beziehung neu zu (er)finden. Möchte sie reparieren, vergibt sie ihre schönste Chance.




Wozu Paartherapie? – Nun, um eine Ehe/Beziehung zu reparieren! – Paartherapie heilt, was beschädigt ist. So klingt zumindest häufig die erste Antwort auf die scheinbar offensichtliche Frage nach dem 'Wozu' der Paartherapie. Eine Beziehung ist kaputt gegangen. Statt Liebe und Intimität sind da Streit, Stress oder Emotionslosigkeit. Sex ist schon lange keiner mehr da. Dafür war (oder ist) da vielleicht eine Affäre. Die Therapie soll helfen, das zerbrochene wieder ganz zu machen. Paartherapie ist also eine Art Kleber, mit dem Scherben wieder zusammengefügt werden können.

Diese Idee legt schon der Begriff der Therapie nahe. - Und nicht wenige Ansätze der Paartherapie verfolgen (zumindest auf den ersten Blick) einen ähnlichen Gedanken. Es geht darum, den anderen nur richtig zu verstehen (mentalisierungsbasierte Therapie). Es geht darum, die wirklichen Emotionen wieder zur Oberfläche zu bringen (EFT). Dann ist die alte Liebe wieder da.


Niemand will das Alte repariert haben


Tatsächlich ist Paartherapie selten so einfach. Das beginnt schon beim Auftrag des Paares selbst. Selten lautet er: Mache unsere Beziehung wieder ganz. Wir wollen unsere Liebe wiederfinden! Viele Paare haben keine gemeinsame Vorstellung vom 'Wozu' der Paartherapie und können sich auch auf keine einigen (was einer der Gründe ist, warum sie kommen). Häufig bringen sie individuelle Erwartungen an den Therapeuten sind, die etwa lauten: Repariere meinen Partner! Gib mir Recht und zeige meinem Partner, dass er im Unrecht ist! – Oder der Auftrag lautet: Erkläre die Beziehung für gescheitert, damit ich mich endlich trennen kann – und gib nicht mir die Schuld daran.

Paare wollen in den allerseltensten Fällen, dass etwas Altes, etwas Kaputtes repariert wird. Das, was war, die Beziehung der Vergangenheit, ist vorbei. Diese Intuition teilen auch die meisten Paare und haben damit - häufig, ohne genau zu wissen warum - Recht. Die Klebemetapher der Paartherapie führt nicht weit.

Doch, wenn Paartherapie dazu dient, kauptte Beziehungen zu repariert, wozu dient sie dann?


Paartherapie unterbricht Muster und schaut, was bleibt


Häufig ist es sinnvoller, in der Paartherapie nicht in die Vergangenheit zu schauen, sondern in die Zukunft. Paartherapie beginnt in der Regel dann, wenn etwas Altes vergangen ist – schon allein, weil die meisten Paare sich erst sehr spät zu einer Therapie entscheiden. Das, was einmal war, ist vorbei. Die Frage lautet daher: Wenn das alte vorbei ist, was kommt dann?

Paartherapie ist also keine Werkstatt. Sie ist vielmehr ein Format des Übergangs. Das heißt verschiedenes.

Um einen Übergang gestalten zu können, muss Paartherapie jedoch zunächst nicht etwas reparieren, sondern etwas zerbrechen, nämlich die Dynamiken, die das Paar mit in die Therapie bringt. Das können Dynamiken der Wut und des Rückzugs sein. Es kann chronisches Schweigen sein. Es kann ständiger Streit sein. Es kann Sprachlosigkeit sein. Kein Paar kommt in die Therapie, ohne dass es etwas mitbringt, das zerbrochen werden muss.

Gelingt das, stehen Paar und Therapeut vor dem, was von der alten Beziehung geblieben ist. Da sind häufig Verletzungen und Schmerz – aber auch gute Erinnerungen, Dankbarkeit, gemeinsame Ressourcen und nicht selten Liebe. Paartherapie ist ein Raum, in dem ein Paar gemeinsam schauen kann, was noch ist ist, was (zunächst) unverrückbar bleibt und was bleiben soll – im positiven, wie im negativen.


Eine Beziehung neu (er)finden


Dann – und vor allem – bietet die Therapie jedoch auch einen Raum der Suche. In der Paartherapie kann ein Paar die Möglichkeit bekommen, sich selbst neu zu (er-)finden – wenn es denn möchte. Gelingt das, vermag ein Paar anders, gleichzeitig jünger und gereifter aus der Therapie hervorzugehen. Es wird ein anderes. Das ist vielleicht der schönste und berührendste Nutzen der Paartherapie.

Damit ist Paartherapie für vieles gut. Eines sollte sie jedoch nicht tun: Eine Beziehung reparieren. Denn die Reparatur (wäre sie denn möglich), verstellt die eigentliche Chance, die in der Paartherapie liegt: Eine Beziehung neu zu schaffen.


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